Name und alter erstmal... Thomas Fritscher 33 Erst mal herzlichen Glückwunsch zu deinem persönlichen Beitrag "25 jahre BMX Geschichte" 25 Jahre dabei sein und kein bißchen müde?Fühlst du dich schon als wenn du zum alten Eisen gehören würdest? Sicherlich. Ich bilde mir nicht ein, noch aktiv in irgendein Contest oder sonstwas geschehen eingreifen zu müssen. Das ist aber auch ganz entspannend, die Ansprüche an einen selber ändern sich, man hat Spass an anderen Dingen und muss nicht unbedingt jeden Tag an die Grenzen gehen, um eine gute Zeit zu haben. Ausserdem kann ich mittlerweile zu Veranstaltungen gehen ohne ständig die Frage "fährst du noch viel?" beantworten zu müssen, weil die wenigsten wissen, dass ich fahre ... Du hast also 81 angefangen vor dem grossen Welterfolg von ET. Viele haben erst dadurch BMX kennengelernt du warst aber schon ein richtiger Insider. Wie hast du den ganzen boom, den aufschwung erlebt? Ich habe es damals als kontinuierliche Entwicklung und nicht als Boom gesehen. Hab mir wohl auch nicht so viele Gedanken darum gemacht - ich war einfach nur froh, viele Leute zum Fahren zu haben. Was war dein erstes BMX Rad und welches dein erstes Traumrad? Mein erstes "richtiges" BMX-Rad war ein gelbes Centurion Spider 1 und mein Traumrad ... keine Ahnung ... aber ich vermute das wäre von SE oder RaceInc gewesen. Wie hat das denn alles bei Dir angefangen mit dem BMX fahren? Zuerst hab ich mir mit dem Nachbarskind alte Klappräder vom Sperrmüll zusammengesucht, Wheelies geübt und bin mit Bretterschanzen auf Bordsteine gesprungen. Irgendwann hat mein Vater dann einen Artikel über die BMX-Bahn in Bremen-Grohn in der Zeitung gesehen und ist mit mir dahin gefahren. Zuerst war mir das alles zuviel und ich bin lieber wieder zuhause durch den Wald geheizt aber nach einiger Zeit fand ich mich zwischen all den "alten Profis" zurecht und begann Spass auf der BMX-Bahn zu haben. Ach so ja... erstmal race... (hat ja eh damals jeder erstmal gemacht) wann bist du ins freestylelager umgestiegen und ab wann bist du rein Flatland gefahren (die aufsplittung von BMX in spezielle gruppen ging eh erst mit The K und der sehr jungen Vert avangarde um 1987 los)... Angefangen habe ich mit Quarterpipe fahren, weil so ein Ding an der BMX-Bahn stand. Von "Freestyle" war da noch nicht wirklich die Rede, das war eher eine Beschäftigung, der man zwischen den Rennen nachging oder um den Trainer des BMX-Clubs zu ärgern. Das gefiel mir dann auch ganz gut und ich bin (glaube ich) so um 1985 mein letztes Rennen gefahren. Bei den ersten Contests ist man grundsätzlich alles gefahren, also Quarterpipe und Flatland, aber Flatland konnte ich anscheinend besser und so bin ich dann, zumindest in Contests, dabei geblieben. Kerstin Munski ist deine Stiefmutter (berichtige mich wenn ich falsch liege) damit ist dein engster familienkreis komplett BMX infiziert... Ne vernünftige Frage fällt mir zu diesem fakt nicht ein mach einfach mal ein statement... Ehrlich gesagt ist mir dieses Stief-Wort noch gar nicht in den Sinn gekommen, aber es stimmt schon, dass sich in unserer Familie seit mein Vater den Laden eröffnet hat, vieles um BMX dreht. Auch wenn das nicht immer nur positiv ist, hat das unsere Familie sehr zusammengehalten. Kerstin ist dann ja erst später, nach dem Tod meiner Mutter dazugekommen. Kerstin fährt meines wissen auch schon seit den frühen 80ern race...damit dürftest du sie ja von klein auf kennen der mensch ist ein gewohnheitstier für mich wäre es ziemlich abstrakt wie kommst du mit dieser situation klar? Ich kenne sie nicht wirklich seit kleinauf, aber als "die Situation" entstand habe ich mich ziemlich schnell aus dem Staub gemacht, was ja recht viel darüber aussagt, wie ich damit klar kam. Mittlerweile komme ich gut damit klar. Es geht ja nicht um mich, sondern um das Glück meines Vaters... Du warst ja mal ein erfolgreicher Flatlander aber was waren die Gründe warum du deine Disziplin geändert hast? Ich bin immer schon alles gefahren. Nach den Quarterpipes kam halt die Minirampe und immer auch Street - so hat schliesslich alles angefangen. Es gab Zeiten, in denen ich mehr Spass auf dem Weg zum Flatlandplatz und wieder zurück hatte und dann wieder Zeiten, da liebte ich nur den Platz. Flatland Contests bin ich nicht mehr mitgefahren weil mich dieses Gepose irgendwann sehr gestört hat. Ich will nicht ständig irgendwas beweisen müssen, wenn ich aufs Rad steige. Das gilt für alle Contests, obwohl ich die Stimmung bei Street und Mini wesentlich entspannter finde... Albert Retey und Wolfgang Meinunger haben so wie es manchmal schien Tricks im vorbeifahren aufgeschnappt, ich kann mich noch daran erinnern wie Jesse Puente 1992 ganz aktuell mit seinem erfundenem time machine (aber auf den pegs) in Köln erschien und Albert den Trick auf anhieb kopierte... ok er ist abgestiegen hat aber ca 3 Umdrehungen geschafft... wie ist das eigene Gefühl dabei wenn man schon selbst zu den Besten gehört aber solche Dinge die eigentlich verboten gehören sieht? Falls du von Albert und Wolfgangs unglaublicher Lernfähigkeit sprichst, so war das sicher manchmal deprimierend aber meistens hat mich besonders Albert mit seiner unbeschwerten Art sehr inspiriert. Seine Art mit Sachen umzugehen, die andere für schwierig oder gar unmöglich hielten, hat mich immer sehr beeindruckt und dadurch auch geprägt und verändert. Falls du das "Kopieren" meinst, so ist es glaube ich genau dieser zwanghafte Massen-pseudo-individualismus, der mir den Tag an einem Flatlandcontest sehr gründlich vermiesen kann. Natürlich ist es nicht okay, einen Trick vor jemand anders direkt nachzumachen um sich dann cool zu finden oder dem anderen vorzumachen, wie leicht er ist, doch wenn man miteinander spricht (und so war es ja damals mit den 10 Leuten bei einem Contest) sollte es kein Problem sein, auch mal die Tricks des anderen auszuprobieren und mal zu schauen, wie sich das anfühlt. Albert hat einen riesigen Einfluss auf Flatland gehabt, dutzende Tricks erfunden und wäre der Letzte, der irgendjemandem übel nimmt, auch mal einen davon zu probieren - genausowenig wie er jemals versucht hat, sich mit den Tricks anderer zu profilieren. Letztendlich sollte sich jeder Flatlander eingestehen, dass alles was er macht auf den Tricks anderer basiert, und jeder mit seinen Ideen zum kollektiven Flatland-Wissen beitragen kann. Demnächst fangen wohlmöglich noch irgendwelche Trottel an, ihre Tricks patentieren zu wollen ... Seitwann stehst du hinter der Kamera? Meine erste halbwegs anständige Fotokamera bekam ich 1988 und die erste Videokamera etwa 1998. Fährst du denn heute noch intensiv BMX? Das BMX-Rad ist mein liebstes Verkehrsmittel... Schaust du dir heute noch gerne Flatland an? Auf jeden Fall !! Ich selber bekomme nach 1 Stunde BMX TV ermüdungs Erscheinungen... Du filmst quasi den halben Tag... Wie geht so was? Etwas zu Filmen ist anders, als es anzuschauen. Wenn ich einen Trick aufnehme kann ich dir in den seltensten Fällen danach sagen, was es überhaupt war. Man reduziert das, was man sieht, auf seine blosse Form und sieht nur zu, es richtig in Szene zu setzen... Die Trick Entwicklung ist allgemein bombastisch gestiegen man meint fast das man morgens früh direkt von dem Bett mit dem Fahrrad den Weg ins Badezimmer bahnen muss um ja nicht zu viel zeit mit fahrradlosem getue (und damit übung) zu vergeuden... Was denkst du wie lange sich das überhaupt noch steigern wird bzw kann? Genau das haben wir vor 10 Jahren auch gedacht ... Irgendwie wird es immer weitergehen und Kids, die heute anfangen um in zwei Jahren in der Pro Klasse zu starten beweisen, dass die Schwierigkeit und der Lernaufwand immer auch von der eigenen Perspektive abhängt... Die X-games haben sich vollkommen von Flatland gelöst, die Freedom berichtet arg wenig davon... Was sind deiner meinung nach die gründe warum die Welt flatland den Rücken zukehrt? Ich weiss nicht, ob "die Welt Flatland den Rücken zukehrt", oft scheint es auch andersrum. Es ist nun mal so, dass Veranstaltungen und Medien von Fahrern selber gemacht werden. Die Freedom wird von Fahrern gemacht, und der Inhalt hängt sehr stark davon ab, was den Leuten gefällt, die sich einbringen. Es ist kein Medium, das am Reissbrett entsteht, so auf die Art "es gibt 37,5% Flatlander in diesem Land, unser Inhalt muss das widerspiegeln". Es gab eine riesige Anzahl sehr flatlandspezifischer Fanzines in den späten 80ern - die Freedom hatte einen grossen Flatland-Anteil, als Klaus Dyba noch beteiligt war, etc... aber irgendwann schien die Mehrzahl der Flatlander beschlossen zu haben, sich in der Rolle des Underdogs der BMX-Szene wohl zu fühlen und nur noch zu meckern, bzw sich möglichst weit vom restlichen BMX zu distanzieren. Es gibt natürlich auch Ausnahmen. Es ist das gute Recht der Flatlander, sich eine eigene Szene, eigene Contests, eigene Medien aufbauen zu wollen, doch dann darf "sie" sich auch nicht beschweren, wenn der Rest ohne sie weiter macht. Was die X-Games angeht, so hat man sich ja auch ständig darüber aufgeregt, bis man dann rausgeflogen ist ... da war es auf einmal erstrebenswert drin zu sein. Flatland in seiner ursprünglichen Form, mit zweiminütigen Runs etc ist für so einen Sender, dessen Zielgruppe die Aufmerksamkeitsspanne eines Goldfisches hat, sehr schwierig zu präsentieren und soweit ich weiss sind alle Bemühungen für ein fernsehtauglicheres Format damals vom Grossteil der Flatlander abgelehnt worden. Dann muss man halt gehen ... Die eigene Zukunft von flatland ist wohl nicht mehr abzuweisen, wie schätzt du die neuen Perspektiven ein? Jeder gestaltet sich seine Zukunft, wie er mag. Mir muss das ja nicht gefallen. Für mich wird Flatland immer eine von vielen Arten sein, mit dem BMX-Rad Spass zu haben und sich auszuleben. Hättest Du/Ihr gedacht das mit "Ist flatland noch zu retten" so viel negatives zurück kommt? Ja, und das war eine der Intentionen des Artikels. Die Freedom hat von jeher die meiste Kritik von Seiten der Flatlander bekommen und gleichzeitig die am wenigsten Konstruktive. Der Auftrag des Artikels war, zu provozieren und Reaktionen hervorzurufen. Das das leider nur anonym in irgendwelchen Internetforen passierte ist schade, genauso schade wie die Erkenntnis, dass ein Grossteil der Flatlander anscheinend genauso humorlos ist, wie wir angenommen hatten. Immerhin waren in dem Bericht ebenso militante Flatlander-Meinungen zu lesen ... über die hat sich aber niemand aufgeregt. Schaust du dir lieber ein altes Beware oder Props Video an? Beware, keine Frage !! Ne kleine Mängel Rüge gibts auch... an Props 58 bist du schon sehr beteiligt... deine weiteren Einflüße bei Props sind mir unbekannt aber wieso hat das "best of 2005" nicht eine Sekunde flatland innig? wird mit solchen Aktionen nicht flatland die luft am hals abgewürgt? Ich habe für die Ausgabe 58 den Polen Roadtrip gedreht und geschnitten und bei sowas macht es wenig Sinn, einen Flatlander mitzunehmen. Ansonsten habe ich, abgesehen von der einen oder anderen Aufnahme, die ich beisteuere, nichts mit Props zu tun. Wie gesagt, Medien repräsentieren was den Machern gefällt. Schlussfrage: Wie lange wird dich bzw kann dich BMX vorraussichtlich noch beschäftigen? Schwer zu sagen. Ich liebe Radfahren, habe viele Freunde in dieser Szene und genieße die Möglichkeiten, die mir die BMX-Subkultur bietet. Solange das, was ich machen will und kann irgendwie in dieses Bild passt und einen Wert für die Gemeinschaft hat, werde ich wohl dabei bleiben.
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